St. Antonius Klosterhardt

,Als Gemeinde miteinander unterwegs“ lautet das Motto, das die (derzeit ca.3900) Pfarrmitglieder von St. Antonius Klosterhardt seit nunmehr fast 80 Jahren beherzigen. Das Fundament zu diesem Selbstverständnis haben schon ihre Vorfahren gelegt, die sich im Jahre 1887 erstmals mit dem Gedanken trugen, eine eigene Gemeinde und Kirche zu gründen. Der Kirchenvorstand von St. Pankratius sowie die Bischöfliche Behörde und die Königliche Regierung in Münster sahen zwar die Notwendigkeit einer Abpfarrung ein, aber nach dem Tod des Bischofs wurde das geplante Unternehmen erst einmal wieder zu den Akten gelegt.

Die Industrialisierung ließ die Zahl der Katholiken derart hochschnellen, dass die Abtrennung erneut beschlossen wurde. In rühriger Weise wurde der im Juli 1900 gegründete Kirchbauverein tätig, und auch die Mutterpfarre stellte finanzielle Mittel zur Verfügung. Zudem ordnete Bischof Felix Hartmann für den 11. Februar 1912 eine Kollekte für den Bau der Klosterhardter Kirche an.

Wie schon bei der Errichtung der katholischen Schule (1875), hatte es auch um den Standort des Gotteshauses ein Gerangel zwischen ,,oberer“ und ,,unterer“ Klosterhardt gegeben. Eine Vorentscheidung fiel gewissermaßen, als der Gastwirt Josef Wischermann einen neuen Saal für die Feier der Gottesdienste fünf Jahre lang kostenlos zur Verfügung stellte. Die erste Heilige Messe in der Notkirche fand am 24. Dezember 1905 statt.

Die junge Gemeinde wollte nun ihr neues Gotteshaus gegenüber der Notkirche haben - dort, wo es heute steht. Hierzu erteilte der Bergbau zunächst keine Genehmigung und schlug einen Platz in der Nähe der früheren Gaststätte Rupieper vor, weil hier mit weniger Bergschäden zu rechnen war. Erst als die Geschäftsleute Schadenersatzansprüche aufgrund zu befürchtender Einkommenseinbußen geltend machten, zog der Bergbau es vor, die gewünschte Baustelle zu genehmigen und den Eisenbeton zu bezahlen, auf dem die Kirche errichtet werden mußte.

Bei der feierlichen Grundsteinlegung am 13. Juli 1913 sagte Dechant Bernhard Strumann: ,,Möge das neu zu erbauende Gotteshaus, dessen Turm dann weit in die Lande schaut, für alle Katholiken Klosterhardts bis in das ferne Geschlecht sein eine Pforte des Himmels“. Am 9. März 1915 konsekrierte Weihbischof Bernhard Kappenberg aus Münster das neue Gotteshaus. Im Juli 1915 wurde St. Antonius Klosterhardt selbständige Gemeinde und am 15. August fand die feierliche Einführung des ersten Pfarrers Josef Meier, der schon all die Jahre als Rektor tätig war, statt.

In den darauffolgenden Jahren erlebten die Bewohner, dass hauptsächlich junge Familien hier ihr neues Wohndomizil suchten. Im Sichtkreis des Kirchturmhahnes von St. Antonius wichen Gärten, Felder, Heide und Busch den neuen Siedlungen. Die hohe Geburtenrate in den Ortsteilen Tackenberg und Klosterhardt bewirkte, dass Oberhausen einst als kinderreichste Stadt Westdeutschlands galt.

Als Ende der sechziger Jahre auf der Klosterhardt wieder eine Großreparatur am Gotteshaus anstand, wurde vorher das schon längst fällige Pfarrzentrum gebaut, das während des Umbaus der Kirche gleichzeitig als Notkirche diente. Im Rahmen der Renovierung wurde der Innenraum den Erfordernissen der Liturgiereform angepaßt.

Ob auch die Klosterhardter St.Antonius-Kirche romanischen Vorbildern folgten sollte, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Bemerkenswert erscheint, dass der Münsteraner Architekt Wilhelm Sunder-Plaßmann für den 1913 ausgeführten Entwurf seiner dreischiffigen Hallenkirche in Kreuzform der Gemeinde den gotischen Baustil empfahl, ,,da bei den beschränkten Geldmitteln von 120.000 Mark für eine Kirche vorliegenden Umfanges nur ein Ziegelbau in Betracht kommen kann und in diesem ein romanischer Bau stets einen ärmlichen Eindruck machtImmerhin reichten die Mittel aus, um an der Memelstraße ein ordentlich durchgegliedertes Bauwerk mit einer imposanten Turmfassade zu verwirklichen.

Dem vordem Hauptportal stehenden Besucher sticht das in den Tympanon eingearbeitete Motiv ,,Der brennende Dornbusch“ ins Auge. Das darüber liegende, von Willi Dirx aus Wuppertal entworfene Portalfenster symbolisiert mit den klassischen Farben Blau, Grün, Rot die göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung, Liebe und kommt erst richtig zur Geltung, wenn es bei Dunkelheit von innen beleuchtet ist. Die Fenster im Hauptschiff wurden während der 1975/76 erfolgten Renovierung in Buntglas erneuert. Die Chorfenster sind aus der Entstehungszeit der Kirche erhalten geblieben.

Ebenfalls von dem Künstler Willi Dirx stammen Kreuzweg, Ambo, Altar, Tabernakel, Taufbecken, Oster-, Apostel- und Altarleuchter. Tiefe Verbundenheit zu den Bergleuten wird mit der aus Spurlatten gefertigten Altarplatte zum Ausdruck gebracht. Diese Spurlatten, die auch im Ambo zu finden sind, stammen von einer in Kamen stillgelegten Zechenanlage.

Die aus Lindenholz gearbeitete Antonius-Statue erinnert an den Patron der Pfarrgemeinde, den Heiligen Antonius von Padua, den die Klosterhardter vermutlich wegen der engen Beziehung zur St.-Antony-Hütte wählten. Der Heilige starb am 13. Juni 1231 im Alter von 36 Jahren, ausgezehrt vom Kampf um soziale Forderungen und von seiner unermüdlichen Hilfsbereitschaft. In vielfältigen

Anliegen bitten Christen den Mann des Volkes als ,,Helfer in der Not“ um seine Fürsprache.

Jugendwerkstatt

,,Die Kurbel“

Es ist ein bitterer Kontrast: in der gleichen Gemeinde, in der einst die Geburtsstunde der ,Wiege der Ruhrindustrie“ schlug, steht - nur wenige hundert Meter von der einstigen St.-Antony-Hütte entfernt -die Jugendwerkstatt ,,Die Kurbel“.

Während mit der Gründung der ersten Raseneisenerzhütte industrielle Entwicklung in Gang gesetzt wurde, geht es heute darum, der in Oberhausen längst zur Realität gewordenen hohen Arbeitslosenquote entgegenzuwirken und vor allem benachteiligten jungen Menschen neue Zukunftsperspektiven im schulisch-beruflichen wie auch persönlich-sozialen Bereich zu erschließen.

Im Rahmen eines trägerübergreifenden Verbundsystems können sich hier nahezu 200 Jugendliche und junge Erwachsene in Maßnahmen der Berufsfindung und

-vorbereitung, in Ausbildung, Beschäftigungsprogrammen sowie durch ausbildungsbegleitende Hilfen qualifizieren.

Die Bemühungen des Katholischen Jugendwerks Oberhausen e.V., arbeitslose Jugendliche ,,anzukurbeln“, haben trotz steigender Nachfrage nach Auszubildenden ihre Berechtigung keineswegs verloren. Denn das Angebot richtet sich seit nunmehr 14 Jahren an all die, die am stärksten von der Arbeitslosigkeit betroffen sind und, weil sie in der Regel keinen Schulabschluß besitzen, zu den problematischsten Zielgruppen des Arbeitsmarktes gehören.

Der rigorose Sparkurs von Bund und Land in diesem Bereich erschwert die Arbeit des Katholischen Jugendwerks Oberhausen e.V. erheblich. Um die verschiedenen Maßnahmen in der ,,Kurbel“ aufrecht erhalten zu können, wird ein Jahresetat von dreieinhalb bis vier Millionen Mark benötigt. Diese Kosten werden finanziert von der Arbeitsverwaltung, dem Landschaftsverband, der Kommune, der Bürgerstiftung der Stadtparkasse Oberhausen und dem Bistum Essen.